CHART-HITS VON MORGEN
Die besten Musikalben des Monats

Eines können wir für den Juni jetzt schon garantieren: Wir werden den jeweiligen Fußballhymnen von ARD, ZDF und Magenta (und wer sonst noch welche produziert) kaum entkommen können. Gut immerhin, dass es ein bisschen neue Musik zum Ausweichen gibt – in zahlreichen stilistischen Richtungen. Und zumindest Flipper Olaf (für den Fall einer meisterhaften DFB-Teamleistung) und Die Toten Hosen (falls es mal wieder nicht so gut läuft) passen mit „Weltklasse“ bzw. „Trink aus! Wir müssen gehen“ ganz gut zum fußballerischen Weltgeist. Der Rest sorgt einfach dafür, dass die heimische Couch-La-Ola-Welle in Bewegung bleibt. In diesem Sinne: Deutschland (Österreich oder Schweiz) vor, noch ein Tor!

Olaf der Flipper
Weltklasse

Olaf Malolepski weiß auch nach seiner Zeit bei den Flippers, wie man Partyschlager macht – und eventuell damit sogar international richtig hohe Wellen schlägt. Den Daumen hoch gibt er sich und uns dafür gleich selbst, zusammen mit einer Ansage, die sowohl zur Fußball-WM als auch gegebenenfalls zur Stimmung auf seinen Konzerten passen dürfte: „Weltklasse“. Weltklasse finden zumindest wir es, dass Olaf nun schon seit mehr als 60 Jahren „flippert“ bzw. auf der Bühne steht und gleichzeitig seinen 80. Geburtstag feiern darf. Wir sagen es mal so: Mick und Keith sind auch nicht viel älter. In diesem Sinne: Rock on, Olaf. Deine Fans werden es dir sicher noch lange danken.

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Joe Bonamassa
The Spirit of Rory – Live from Cork

Ein knappes Jahr ist es her, dass Bluesrock-Ikone Joe Bonamassa einer anderen Ikone ein musikalisches Denkmal setzen durfte. Denn im Juli 2025 wurde ihm die große (und vielleicht sogar größte) musikalische Ehre zuteil: Er durfte in Cork, der irischen Heimatstadt seines größten Idols und mit dem Segen von dessen Familie, eine Live-Hommage an Rory Gallagher einspielen. Und zwar auch auf einer Resonator-Gitarre aus den 1930er-Jahren, die einst Gallagher selbst gehört hat. Wie einflussreich Gallaghers Stil auf Generationen von Musikern war (unter anderem Slash, The Edge, Brian May), das ist dem Material ebenso anzuhören wie der ganz eigene Stil Bonamassas, der die Songs seines Idols quasi in den eigenen Sound- und Gitarrenkosmos überträgt und so ein Live-Erlebnis schafft, das gleich zwei großen Karrieren auf einmal gerecht wird. Und das sich Bluesrock-Fans keinesfalls entgehen lassen dürfen.

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Tarja
Frisson Noir

Seit mehr als 20 Jahren ist die finnische Ausnahmesängerin schon nicht mehr „die Stimme“ von Nightwish. Und in dieser Zeit zu einer Künstlerin gereift, die opernhaften Gesang und metallene Härte auf das Betörendste miteinander zu verschmelzen wusste. Zunehmend haben sich ihre Parameter dabei verschoben – stärker hin zum Metal, der aber auch auf „Frisson Noir“ von epischen Orchesterarrangements und leidenschaftlichem Pathos lebt. Alte und neue Wegbegleiter stehen ihr dabei zur Seite: Dani Filth von Cradle of Filth etwa, Drummer Chad Smith von den Red Hot Chili Peppers, die Violoncello-Metaller von Apocalyptica oder Ex-Nightwish-Kollege Marko Hietala. Das extrem druckvolle Ergebnis wurde von Linkin-Park- und Disturbed-Produzent Neal Avron gemischt und macht neben dem Sound auch optisch und haptisch einiges her – insbesondere in der hochwertig gefertigten Erstauflage.

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Nino de Angelo
Vivi la Vita

Nach seiner Crashfahrt und den daraus resultierenden juristischen Folgen kann sich Nino de Angelo endlich wieder auf etwas weniger wilde Storys und dafür mitreißende Musik konzentrieren. Ganz nach dem Vorbild beispielsweise eines Giovanni Zarrella besinnt er sich auf seine Wurzeln jenseits des Brenner-Passes – und setzt auf italienische Klassiker, von denen er zwölf hier als Coverversionen, darunter natürlich auch „Azzurro“, zum Besten geben darf. Zusätzlich gibt es zwei neue De-Angelo-Songs auf Italienisch – einen davon im Duett mit Marina Marx und das alles zudem mit einer Menge Anregungen für die heimische Küche. Denn im CD-Mediabook findet sich zu jedem Track nicht etwa der Songtext (oder dessen Übersetzung), sondern ein Rezept, das uns auch kulinarisch in den Süden entführt. In der limitierten Fanbox kommen übrigens auch noch Schürze und Küchenwerkzeug dazu. Wer hätte das gedacht: Nino de Angelo entdeckt endlich den (kochenden) Italiener in sich.

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Die Toten Hosen
Trink aus! Wir müssen gehen

Wahnsinn! Die Toten Hosen machen, neun Jahre nach der „Laune der Natur“, Schluss mit lustig, mit Musik und mit Punkrock mit Haltung. Ein letztes Album habe man – fast 45 Jahre nach Gründung der Band – machen wollen, ein Halali mit Pauken, Trompeten und Lokalrunden, die nie zu Ende gehen. Sprich: Zusätzlich zu „Trink aus! Wir müssen gehen“, das all das bietet, was man an Campino und Co. schätzen und lieben gelernt hat, gibt es eine Runde an Zugaben. Eine Runde? Ach was! 25 davon. Denn mit „Alles muss raus!“ schenken uns die Hosen sogar ein doppeltes Bonusalbum. 25 Coverversionen hat man mit Kollegen und Weggefährtinnen eingespielt. Quasi als Erinnerung daran, was einem (auch an den Toten Hosen) lieb und teuer gewesen ist. Und dann? Gibt es den ganzen Zirkus natürlich auch noch mal live auf den Bühnen der Republik. Und wer weiß, ob die Herren zum 50. Gründungsjahr nicht doch noch die Rolling Stones in sich entdecken …

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