CHART-HITS VON MORGEN
Die besten Musikalben des Monats

Wären da nicht der laszive Schlafzimmer- und Schlagerblick von Maite Kelly oder die unverwüstlichen Hits vom King of Pop, wir würden den Mai zum Rock- und Retro-Monat erklären. Weil der Rest unserer Albumvorstellungen so klar in Jahrzehnten verortet ist, die viele unserer Leser und Kunden nur vom Hörensagen kennen. Die Rede ist hier von den 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahren, in denen sich zu Beginn Rockröhre Suzi Quatro und Udo Lindenberg noch Klinke bzw. Mikro in die Hand gegeben haben, bevor Grunge Rock das Musikgeschäft für immer verändert und Dave Grohl auf seinen langen Weg in Richtung „Foo-Kunft“ geschickt hat. Auch sein ältestes Töchterchen Violet ist übrigens ein Kind des dritten Jahrtausends. Aber sich von denen inspirieren zu lassen, die über Jahrzehnte Weggefährten des berühmten Herrn Papa waren, ist mit Sicherheit nicht das Falscheste. In diesem Sinne: Rock lebt!


 


 

Maite Kelly

Ein Glück, dass sie nicht Nein gesagt hat, als Roland Kaiser sie zum Duett gebeten hatte. Denn seit sie vor rund zehn Jahren vom Schlagergott zu Tanz und Gesang gebeten worden ist, flutscht es richtig. Für beide. Mit ihren letzten drei Soloalben konnte Maite Kelly das Charttreppchen füllen – „Die Liebe siegt sowieso“ 2018 auf der 3, „Hello!“ 2021 auf der 1 und „Nur Liebe“ 2024 auf der 2 – und es steht zu erwarten, dass ihr mit „24/7“ nun Ähnliches gelingt. Einem Album, das sie als Liebeserklärung an die Frauenwelt verstanden wissen will, der sie eine natürliche Sinnlichkeit vorlebt, die man ihr früher gar nicht zugetraut hätte. Zumindest das Cover-Artwork lässt einen Hauch von Bardot durch die bundesdeutschen Musikzimmer wehen. Wobei Maite Brigitte eines voraushat: ihr wirklich ausgeprägtes Gesangstalent.

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Suzi Quatro

Suzi Quatro ist auch mit knapp 76 Jahren (Geburtstag feiert sie im Juni) noch der Inbegriff der in Lederkluft gehüllten Rocker- und Bikerbraut, einer Vollblutmusikerin, der es – wie vielen ihrer US- und UK-Kollegen – vor allem in Deutschland gelang, in den 1970ern Fuß zu fassen. Ungezählte BRAVO-Ottos gab es für die Sängerin und Bassistin allein zwischen 1973 und 1980 (okay, wir haben doch gezählt: Es waren sechs) und wie auch ihren Kollegen von beispielsweise Deep Purple gelingt es ihr hierzulande immer noch, regelrechte Begeisterungsstürme zu entfachen. Damit das nicht nur mit ihren Hits aus den 1970ern und 1980ern geschieht, hat sie mit „Freedom“ jetzt ihr sage und schreibe 19. Studioalbum eingespielt. Als besten Beweis dafür, dass nach „Can the Can“, „The Wild One“ oder „Stumblin’ In“ längst noch nicht Schluss sein muss mit dem Rockerbrautleben. Erst recht nicht, wenn man auf Gäste wie Alice Cooper zählen darf, mit dem sie den MC5-Hit „Kick Out The Jams“ noch einmal zum Besten gibt.

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Michael Jackson

Mehrere Male musste die filmische Annäherung an das Leben des King of Pop verschoben werden – nicht zuletzt wegen rechtlicher Bedenken rund um die Vorwürfe, die Michael Jackson über weite Strecken seiner späteren Karriere begleiteten. Jetzt endlich darf das Biopic von Antoine Fuqua doch noch das Licht der Kinosäle erblicken und vor allem dann für Begeisterung sorgen, wenn Musik und Tanz im Mittelpunkt stehen. Ganz auf die Musik konzentriert sich auch der zugehörige Soundtrack, der neben Hits von The Jackson 5 und The Jacksons vor allem das enthält, was „Michael“ unsterblich werden hat lassen: Hits wie „Billie Jean“, „Thriller“, „Wanna Be Startin’ Somethin’“ oder „Bad“. Rund 17 Jahre nach seinem Tod ist das eine willkommene Erinnerung daran, welch außergewöhnlichen Künstler wir damals im Alter von nur 50 Jahren verloren haben. Auch wenn hinter etlichen Aspekten seiner Person wohl ewig ein Fragezeichen stehen bleiben wird.

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Foo Fighters

Drei Jahre, nachdem sie sich infolge des Todes von Taylor Hawkins mit „But Here We Are“ trotzig (und rotzig) neu erfunden haben, melden sich die Foo Fighters um Frontmann Dave Grohl mit ihrem zwölften Album zurück. Und „Your Favourite Toy“ macht keine Gefangenen, sondern legt ein knackiges knapp 40-minütiges Feuer in unseren Herzen, das auch nach mehrmaligem Durchhören nicht so schnell erlischt. Was nicht nur am ansteckend garagenrockigen Titeltrack liegt, der so klingt, als habe man sich eben in der Studentenbude zusammengefunden, oder am grungy „Asking For A Friend“, sondern insgesamt an einer Einstellung, die mit „etabliert“ nicht viel zu tun haben will, sondern sich mit jedem Track aufs Neue zu beweisen versucht. Ganz so, als habe man nicht schon zwei Rockstarleben als Teil von Nirvana und eben den Foo Fighters hinter sich. Respekt!

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Violet Grohl

Während der Papa gerade wieder mit seiner Hauptband, den Foo Fighters, aktiv ist, meldet mit Violet Grohl seine just 20 gewordene Tochter ebenfalls eine künftige Rolle im Indierock-Zirkus an. Mit einem Sound, den sie selbst als „Farm Goth“ bezeichnet, der sich aber gar nicht so sehr vom grungy-düsteren Gepolter unterscheidet, mit dem „Onkel“ Kurt und Papa Dave einst erste Erfolge feiern durften. Auch Hole von einer gewissen Courtney Love meint man etwa bei „Thum“ herauszuhören, wie überhaupt die 90er des vergangenen Jahrtausends ein Jahrzehnt zu sein scheinen, in dem sich Miss Grohl ganz besonders wohlgefühlt hat. Gut so. Denn das macht „Be Sweet To Me“ zu einem Album, mit dem sich alle wohlfühlen werden, die besagtes Jahrzehnt einst live miterleben durften. Und zu einem ziemlichen Brett, das sich vor den großen Einflüssen, die es zitiert, nicht zu verstecken braucht.

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Udo Lindenberg

Unfassbare 80 Jahre alt wird „uns“ Udo Lindenberg im Mai. Und das ist (schon wieder) ein echter Grund, ihn und seine Musik zu feiern. Das hat sich der Dauerhotelbewohner und Schlapphut-Träger wohl auch gedacht. Und seine Fans darüber abstimmen lassen, welche Lieder aus insgesamt 40 Studioalben (!) es auf die 3 CDs bzw. 4 LPs lange Sammlung schaffen sollen. „Alles unter einem Hut“ versammelt jetzt „Eure Favoriten“, je einen aus jedem Album sowie das von Udo selbst gesetzte „Komet“, das ihm zusammen mit Apache 207 noch einmal einen späten Charterfolg eingebracht hatte. Von „It Is Alright Again“ (1971) und „Cello“ (1973) über „Horizont“ (1986) und „Ich lieb Dich überhaupt nicht mehr“ (1987) bis hin zu „Mein Ding“ (2008) und „Durch die schweren Zeiten“ (2016) führt die Reise. Und damit durch fünf Jahrzehnte deutscher Rockgeschichte, die nur wenige so nachhaltig geprägt haben dürften wie Udo Lindenberg. Wir ziehen unseren Hut!

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