
Ein Band, das jeden Sturm übersteht
Familie funktioniert nicht von selbst. Sie braucht gemeinsame Erlebnisse. Erfahren Sie, wie Sie den Zusammenhalt stärken.Was ist es, das eine Familie zusammenhält? Mal abgesehen vom gemeinsamen Nachnamen, von biologisch geteilten Genen und vom WLAN-Passwort? Klar: Im Idealfall ist da das Gefühl von Liebe und Verbundenheit, gespeist aus (hoffentlich) Sympathie, Zuneigung, gemeinsamen Werten und den miteinander geteilten Faktoren Raum und Zeit. Aber was kommt dann? In den vergangenen Jahren hat die Psychologie erstaunlich klare Antworten für uns gefunden. Dazu zählen gemeinsam erzählte Geschichten, wiederkehrende Rituale und regelmäßige echte Begegnungen. Nicht die perfekte Harmonie wird angestrebt, sondern ein Gefühl, das stärker ist als der äußere Schein. Die Erkenntnis nämlich, dass wir zusammengehören. Auch wenn es mal ein bisschen lauter knirscht im Wurzelwerk des Familienstammbaums.
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Gemeinsame Geschichte(n)
Wissen schafft Stabilität. Auch in Beziehungen. Das hat eine seit Anfang der Nullerjahre erfolgte Studie der Seattle Foundation zutage gefördert, die untersucht hat, wie viel Kinder über ihre Familiengeschichte wissen. Wo etwa haben sich die Eltern kennengelernt, wie haben Oma und Opa gelebt, gab es Brüche oder Krisen in der Familie, die irgendwann einmal überwunden werden mussten? Das Ergebnis: Je mehr Kinder über ihre Familie wussten, desto resilienter waren sie auch. Weil sie erfahren haben, dass ihre Familie funktioniert und wie sie zusammenhält. Auch weitere Studien unterstützen diese Erkenntnis, indem sie aufzeigten, dass Jugendliche, die Erlebnisse von Eltern und Großeltern in ihre Erzählungen einbauen konnten, insgesamt über mehr Wohlbefinden und emotionale Stabilität verfügten. Kurz: Eine gemeinsame Geschichte prägt uns und macht uns glücklich. Man muss sie sich und anderen nur immer wieder erzählen und gegebenenfalls auch mal (schriftlich) festhalten, damit sie lebendig bleibt.
Wir nehmen sie oft gar nicht mehr als bedeutsam war, dabei sind auch wiederkehrende Rituale der Kitt, der Familien zusammenführt und zusammenhält. Auch in diesem Bereich kam die American Psychological Association bereits vor rund 20 Jahren zu dem Schluss, dass wiederkehrende Rituale – vom Abendritual über das Sonntagsfrühstück bis hin zum gemeinsamen Spieleabend – dem Familienleben Struktur geben, auch und gerade in herausfordernden Zeiten. Einer der belastbarsten Befunde der letzten Jahre dreht sich dabei um etwas scheinbar sehr Banales: gemeinsame Mahlzeiten. Hier haben große Studien zeigen können, dass häufig stattfindende Familienessen eine ganze Reihe positiver Effekte mit sich bringen: weniger depressive Symptome, weniger Aggressionen und weniger Essstörungen, dafür eine höhere Selbstachtung, bessere Leistungen, mehr Stabilität. Und das nicht etwa als Ergebnis besonders gesunder Speisen, sondern wegen der gemeinschaftlichen Atmosphäre. Der Esstisch wird zur Bühne, auf der Familie sich stets aufs Neue selbst verhandelt und erzählt. Entscheidend ist hier die regelmäßige Verlässlichkeit: „So wird das bei uns gemacht.“
Familie bewegt uns. Nicht nur emotional, sondern im Idealfall auch ganz physisch und greifbar. Das Wir gewinnt an dieser Stelle besonders bei körperlichen Gemeinschaftserlebnissen: dem gemeinsamen Singen, Tanzen, Sporttreiben oder Jubeln. Und zwar durchaus messbar, wie Studien zu sogenannter kollektiver Euphorie gezeigt haben. Je intensiver der gemeinsam erlebte Moment, desto ähnlicher ist bei allen auch die gemessene Herzfrequenz und die Ausschüttung von Endorphinen. Das lässt sich wunderbar auf die Familie übertragen: wo etwas gemeinsam getan wird, das Puls und Stimmung hebt, wird das Wir-Gefühl im Körper automatisch stärker. Sei es beim Lachflash während des Spieleabends, bei den Eindrücken auf einer gemeinsamen Fahrradtour oder beim kontrollierten Hampeln zu Wohnzimmer-Tanzklassikern wie „Just Dance“. All das zeigt deutlich: Familiärer Zusammenhalt ist nicht nur genetisch bedingt und erst recht kein glücklicher Zufall. Er lässt sich herstellen. Durch Erzählung, Wiederholung und gemeinsames Erleben.
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