
Neu & sehenswert: Heimkino-Releases im Überblick
Was der Februar 2026 zu bieten hatDie narrische Zeit zeichnet sich historisch ja vor allem dadurch aus, dass die Menschen in Rollen schlüpfen, die ihnen qua Stand gar nicht zustehen. So schlüpft der Diener etwa in die Rolle des Herrn, der Hausherr in die der Dame usw. Das ist beim Film trotz aller Verstellungskunst manchmal ganz anders: Caleb Landry Jones zum Beispiel würde man den düster brodelnden Vlad auch ohne Maske abkaufen, der junge Jeremy Allen White singt auch ohne Tricks (fast) wie der junge Springsteen, Keanu Reeves ist auch im echten Leben ein Engel und in den Adern von Liam Neeson fließt kein Blut, sondern Eis. Kurz: Manchmal ist Hollywood das Gegenteil von Kinderfasching und stattdessen ganz nah dran an der Realität. Aber was Besseres kann uns in all dem Helau und Alaaf manchmal gar nicht passieren, oder? In diesem Sinne: Viel Spaß mit unseren Film-Highlights des Monats!
Inhalt:
Dracula – Die Auferstehung
Eine Liebesgeschichte
Da hat der gute Luc Besson aber mal wieder einen echten Hingucker rausgelassen. Und das sagen wir, obwohl der „Dracula“-Stoff ja nun wirklich bis zum Exzess ausgeschlachtet und gepfählt worden ist. Aber schon der Original-Untertitel (A Love Tale) verweist auf die tragische Liebesgeschichte hinter dem Stoff und dank Hauptdarsteller Caleb Landry Jones („Dogman“) wird das auch in jedem Moment spürbar, in dem der seit dem Tod seiner Geliebten verfluchte transsylvanische Graf ruhelos durch die Jahrhunderte streift. Erst im Paris des 19. Jahrhunderts wird er vermeintlich fündig. Aber hier wartet nicht nur die verführerische Mina auf ihn, sondern auch Christoph Waltz als ein zu allem entschlossener Priester. Das Ergebnis ist tatsächlich ein etwas anderer „Dracula“-Film: eine dunkle Romanze, in der unerfülltes Sehnen ebenso im Mittelpunkt steht wie das Streben nach Menschlichkeit in einer monströsen Welt. Eine stylishe Neuinterpretation!
Springsteen
Deliver Me From Nowhere
Bruce Springsteen ist einer der wenigen männlichen musikalischen Superstars, die die USA derzeit noch zu bieten haben, Jeremy Allen White ist – insbesondere seit seinen Auftritten in der Ausnahme-Küchenschlacht „The Bear“ – auf dem besten Weg dahin. Dass er auch gar nicht so schlecht singen kann, bekräftigt er mit seiner Performance als junger Springsteen, in dessen Rolle er für die Verfilmung des titelgebenden Sachbuchs schlüpft. Das widmet sich den inneren Kämpfen des Künstlers während seiner Arbeit am legendären „Nebraska“-Album, das sich ganz erheblich vom bisherigen Schaffen Springsteens unterschied. Aus Gründen, wie die stimmungsvolle filmische Momentaufnahme zeigen kann.
Die Schule der magischen Tiere 4
Die eierlegende (und sprechende) Wollmilchsau
Diesmal also unter anderem ein Koboldmaki. Fehlt nur die eierlegende Wollmilchsau, als die sich der Kinderbuchstoff von Margit Auer für die Produzenten der zugehörigen Verfilmungen längst erweisen hat. Mit vergleichsweise überschaubarem Aufwand stampft man hier praktisch jedes Jahr eine neue Realverfilmung aus dem Boden, die zwar nicht allzu viel Neues erzählt, aber immer so nah an der vermeintlichen Lebensrealität deutscher Teenies ist, dass die Besucher in Scharen die Kinos stürmen. Teil vier bringt nicht nur neue Gesichter und sprechende Tierwesen mit sich, sondern auch eine ernsthafte Gefahr für die Wintersteinschule. Wollen die Kinder ihr „Zuhause“ retten, müssen sie und ihre magischen Tierwesen eine Schul-Challenge bestehen. Und dürfen dabei weder über konkurrierende Schulen stolpern noch über aufkeimende Gefühle von Liebe (und Eifersucht).
Ice Road: Vengeance
Liam und noch ein paar Stunden mehr
„Ice Road Truckers“ ist auch so ein Realityformat, das sich unglaublicher Beliebtheit erfreut, ohne dass man genau weiß, warum. Immerhin als Actionfilm mit Mr. Unkaputtbar Liam Neeson hat das für „The Ice Road“ so gut funktioniert, dass sein Mike McCann nun zurückkehren darf. Und zwar, wie es im Action-Metier so schön heißt, „with a vengeance“ (mit voller Wucht). Diesmal verschlägt es ihn mit der Asche seines Bruders nach Nepal, wo er in einen zumindest für ihn nicht tödlichen Hinterhalt gerät und zusammen mit seiner Bergführerin Dhani eiskalte Rache übt. Denn auf der berüchtigten „Road to the Sky“ bekommen es die beiden mit mörderischen Söldnern zu tun, die auch das Leben unschuldiger Dorfbewohner bedrohen. Und drohen, das wissen Fans von Liam Neeson, sollte man ihrem Idol eher nicht …
Good Fortune
Ein ganz spezieller Schutzengel
In Hollywood kann man eigentlich jede und jeden fragen und man würde dieselbe Antwort erhalten: Es gibt keinen netteren, sympathischeren und hilfsbereiteren Star als Keanu „John Wick“ Reeves. Ein Engel auf Erden quasi, was ihn natürlich zur Idealbesetzung macht als „Engel auf Erden“ im Spielfilmdebüt von Star-Comedian Aziz Ansari. „Good Fortune“ erinnert in seiner Kapitalismuskritik und „Lebenstausch“-Metaphorik an den Comedy-Klassiker „Die Glücksritter“ mit Dan Aykroyd und Eddie Murphy. Nur dass hier ein gutmütiger Schutzengel (Reeves) dafür sorgt, dass die Leben zweier finanziell entgegengesetzter Individuen gehörig aus dem Ruder laufen. Hier jenes des verzweifelten Gelegenheitsarbeiters Arj (Ansari), dort das von Selfmade-Millionär Jeff (Seth Rogen), die sich im jeweiligen Leben des anderen wiederfinden. Statt aber die Lehre zu ziehen, dass Geld allein doch nicht so glücklich macht, will Arj gar nicht in sein altes Leben zurück. Was vollends für Chaos zwischen Himmel und Erde sorgt.
Düster allein recht nicht aus, um die Atmosphäre zu beschreiben, die Mascha Schilinski über rund zweieinhalb Stunden, vier Frauenschicksale und 100 Jahre evoziert. Das muss man unbedingt voranschicken, bevor man Zuschauerinnen und Zuschauer das ohne Frage ungewöhnliche Cannes-Meisterwerk aus Deutschland zur filmischen „Lektüre“ empfiehlt. Denn der am ehesten an Filme wie „Das weiße Band“ erinnernde Bilderbogen folgt keiner eindeutigen Narrative. Vielmehr zeigt er anhand eines abgeschiedenen Hofes und seiner jeweiligen Bewohner, wie Frauen in den 1910ern, 1940ern, 1980ern und 2020ern so etwas wie ererbtes Leid und Unterdrückung erfahren. Surreal wirkende Bezüge lassen „In die Sonne schauen“ dabei fast wie einen Geisterfilm erscheinen. Unheimlich, unheimlich packend, aber eben auch schemenhaft und kaum zu greifen. Vielleicht reicht das sogar für den Oscar. Für knapp 150 Minuten revolutionären Erzählens in jedem Fall.
Leonine | Alive | Plaion
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